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Flächendesinfektion in der Arztpraxis


Anforderungen, Risiken und bewährte Hygienemaßnahmen

Die Reinigung und Desinfektion von Flächen ist ein zentraler Bestandteil des Hygienemanagements in Zahnarztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen. Sie trägt wesentlich dazu bei, das Risiko von Kreuzkontaminationen und Infektionen zu reduzieren. 

Da im Behandlungsalltag regelmäßig Aerosole, Tröpfchen und Kontaktkontaminationen entstehen, müssen Flächen systematisch und nach klar definierten Vorgaben aufbereitet werden.

Wie kommt es zur Kontamination von Flächen?

Im Praxisalltag gibt es verschiedene Übertragungswege: 

Aerosole und Tröpfchen 

Bei vielen zahnmedizinischen Behandlungen entstehen feinste Partikel, die sich auf Arbeitsflächen, Geräten und Behandlungsumgebungen absetzen können. Typische Quellen sind: 

  • Turbinen und Winkelstücke 
  • Ultraschallgeräte 
  • Pulverstrahlgeräte 
  • Luft-Wasser-Spritzen

Direkter Kontakt 

Häufig berührte Flächen können durch den direkten Kontakt mit Händen oder Schutzhandschuhen kontaminiert werden. Dazu zählen beispielsweise: 

  • Behandlungseinheiten 
  • Tastaturen 
  • Bedienfelder 
  • Schubladen 
  • Ablageflächen

Indirekter Kontakt 

Auch Gegenstände und sogenannte Touchpoints können als Überträger fungieren. Hierzu gehören unter anderem: 

  • Türklinken 
  • Lichtschalter 
  • Telefone 
  • Computermaus und Tastatur 
  • Griffe von Schränken und Schubladen

Wie sollte die Flächendesinfektion durgeführt werden?

Die Wischdesinfektion als Standard

Als Standardverfahren wird die Wischdesinfektion empfohlen. Durch das gezielte Benetzen der Oberfläche mit einem Desinfektionsmittel werden Verschmutzungen entfernt und Keime gleichzeitig inaktiviert. Darüber hinaus wird die Entstehung gesundheitsschädlicher Aerosole vermieden, die bei einer Sprühdesinfektion auftreten können. 

Die Sprühdesinfektion sollte deshalb auf schwer zugängliche Bereiche beschränkt bleiben, die mit einem Tuch nicht ausreichend erreichbar sind. 

Schritt für Schritt zur wirksamen Flächendesinfektion 

Für eine sichere und normgerechte Durchführung sollten folgende Punkte beachtet werden: 

  1. Grobe Verschmutzungen entfernen
    Sichtbare Verunreinigungen sollten vor der Desinfektion beseitigt werden, damit das Desinfektionsmittel optimal wirken kann. 
  2. Fläche vollständig benetzen
    Die gesamte Oberfläche muss gleichmäßig benetzt werden. Trockene Bereiche können die Wirksamkeit der Desinfektion erheblich beeinträchtigen. 
  3. Einwirkzeit einhalten
    Die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit ist zwingend einzuhalten. Die Fläche muss während der Einwirkzeit gleichmäßig mit der Flächendesinfektion benetzt sein. Nur so kann die deklarierte Wirksamkeit gewährleistet werden. 
  4. Fläche trocknen lassen
    Nach der Desinfektion sollte die Fläche sichtbar trocknen können. Ein Nachreiben oder Trockenwischen ist in der Regel nicht erforderlich. 

Welche Flächen sollten desinfiziert werden?

Nicht jede Oberfläche in der Praxis muss nach jedem Patienten aufbereitet werden. Entscheidend ist das Risiko einer Kontamination. 

Nach jeder Behandlung zu desinfizieren sind: 

  • Flächen mit möglicher Aerosol- oder Tröpfchenbelastung 
  • Flächen mit möglicher Kontaktkontamination 
  • Patientennahe Arbeitsflächen 
  • Bedienelemente und Griffe im unmittelbaren Behandlungsumfeld 

Typische Beispiele sind Behandlungseinheit, Ablagen, Bedienfelder, Lampengriffe, Speibeckenbereich, Absaugschläuche und Halterungen, etc. 

Tuchspendersysteme richtig einsetzten 

Tuchspendersysteme sind in vielen Praxen etabliert. Damit die Desinfektionsleistung dauerhaft gewährleistet bleibt, müssen jedoch einige Anforderungen erfüllt werden. 

Wichtig sind insbesondere: 

  • Verwendung kompatibler Tücher und Tränkflüssigkeiten 
  • Einhaltung der vom Hersteller vorgegebenen Standzeiten 
  • Regelmäßige Aufbereitung des Spendersystems vor der Neubefüllung (Anleitung

Bei vielen Tuchsystemen beträgt die maximale Nutzungsdauer der getränkten Tücher bis zu 28 Tage. Maßgeblich sind jedoch stets die Herstellerangaben. 


Häufige Fehler bei der Flächendesinfektion 

Trotz klarer Vorgaben zeigen Audits und Praxisbegehungen immer wieder typische Schwachstellen: 

  • Zu kurze Einwirkzeiten 
  • Unvollständige Benetzung der Fläche 
  • Verwendung ungeeigneter Produkte 
  • Fehlende Aufbereitung von Tuchspendern 
  • Desinfektion stark verschmutzter Flächen ohne vorherige Reinigung 
  • Lücken bei der Mitarbeiterschulung 

Eine regelmäßige Unterweisung des Teams und die Überprüfung bestehender Hygieneroutinen helfen dabei, diese Fehler zu vermeiden. 

Benötigen Sie weitere Informationen oder haben Sie Fragen rund um Ihren Hygieneplan? Steht eine Praxisbegehung an oder benötigen Sie Unterstützung bei der Pflege Ihres Praxis-QMs? Wir beraten Sie gerne. 

Welche Anforderungen sollten Flächendesinfektionen erfüllen?

Die Auswahl geeigneter Produkte spielt eine entscheidene Rolle für die Wirksamkeit der Hygienemaßnahmen. 

Die KRINKO, der DAHZ und die BZÄK formulierten folgende Mindestanforderungen an Flächendesinfektionsmitteln für Ihre Arztpraxis: 

VAH-gelistet

Eine VAH-Zertifizierung bestätigt die nachgewiesene Wirksamkeit gegen relevante Mikroorganismen unter praxisnahen Bedingungen. 

Bakterizid und levurozid

Das Produkt muss wirksam gegen Bakterien sowie Hefepilze sein. 

Begrenzt viruzid

Das Desinfektionsmittel sollte mindestens eine Wirksamkeit gegen behüllte Viren besitzen. Hierzu zählen unter anderem: Hepatitis-B-Virus (HBV), Hepatitis-C-Virus (HCV), Humanes Immundefizienz-Virus (HIV), Coronaviren. Je nach Risikobewertung können weitergehende Wirkspektren erforderlich sein.

Unser Fazit zur Flächendesinfektion

Die Flächendesinfektion zählt zu den wichtigsten Maßnahmen der Infektionsprävention in Zahnarztpraxen sowie anderen medizinischen Einrichtungen. Eine konsequente Wischdesinfektion, die Auswahl geeigneter Desinfektionsmittel und die Einhaltung der vorgegebenen Einwirkzeiten bilden die Grundlage für ein wirksames Hygienemanagement. 

Besondere Aufmerksamkeit verdienen patientennahe Kontaktflächen sowie Bereiche, die durch Aerosole und Tröpfchen kontaminiert werden können. Durch standardisierte Prozesse und regelmäßige Schulungen lässt sich die Sicherheit ihres Praxisteams und ihrer Patienten nachhaltig erhöhen. 

Praxis-Tipp: 

Stellen Sie sicher, dass die verwendeten Flächendesinfektionsmittel VAH-gelistet sind, die erforderlichen Wirkspektren abdecken und entsprechend den Herstellerangaben eingesetzt werden. Bereits kleine Abweichungen können die Wirksamkeit der Flächendesinfektion beeinträchtigen.